#2 Inspektor Columbo und die Suche nach dem Mindset – ein spannender Fall

Das Mindset ist ein entwicklungsgeschichtlich uraltes Programm zur Entscheidungsfindung. Wir profitieren immer noch davon, denn es gibt uns Sicherheit und Stabilität. Aber manchmal nervt es gewaltig, nämlich immer, wenn wir uns verändern wollen. Aber was hat Columbo, der schrullige TV-Inspektor aus Los Angeles, mit einem neuen Mindset für Gesprächsführung zu tun und welche Rolle spielt dabei das letzte Geheimnis von Columbo, das mir Bill Link, einer der beiden Erfinder der Figur, in einem Gespräch verraten hat?

Inspektor Columbo als Co-Trainer?

Ich bin im Grunde meines Herzens Trainer. Trainer und Coach für alles Mögliche im Zusammenhang mit mündlicher Kommunikation. Angefangen hat das vor 30 Jahren mit Trainings für Leute, die ins Fernsehen wollten, weiter ging es mit Vortrags- und Präsentationstrainings für alle Themen und Ebenen, später kam Storytelling und Konfliktmanagement dazu und jetzt bin ich in der Neuen Welt des Zusammenarbeitens angekommen und der Lösung einiger Probleme, die sich dabei auftun.

Meist war eine charakteristische Anforderung: Nicht so viel Theorie, lieber schnell anwendbare, einfache Tipps, die auch noch klappen, wenn ich wieder weg bin. Das passte zu meiner Arbeitsweise als Radikalpragmatiker.

Und schrittweise wurde mir dabei klarer, dass einzelne Tools und Regeln nicht so gut funktionieren, wenn die Einstellung nicht dazu passt. Wenn Deinem Bauch nicht gefällt, was sich Dein Kopf ausgedacht hat, dann wird er immer eine Möglichkeit finden, das während Deines Vortrages zu kommentieren. Mimik, Gestik, Haltung, Bewegung, Blickkontakt, Stimme und Sprache bieten ausreichend Fläche für subversive Aktionen. Verstellungskunst mit Hilfe von Schauspielunterricht zu erlernen hilft Dir auch nicht, denn Deine Glaubwürdigkeit muss nicht nur einen Auftritt überstehen, sie muss halten. Es geht nicht um ein Showelement, sondern um eine Eigenschaft. Authentisch zu sein ist eine sehr spannende Herausforderung.

Ich begann mit Tiefenbohrungen zu den Einstellungen, die hinter dem Verhalten liegen und es steuern. Ich wollte passende Verankerungs- und Veränderungsmöglichkeiten finden.

Zu Hilfe kam mir meine zugegeben etwas verrückte Idee, aus den Verhaltensmustern des schrulligen Retro-TV-Cops Columbo ein Kommunikationsmodell für schwierige Gespräche zu basteln. Ich fand seine nicht-konfrontative Art sehr interessant und wollte wissen, wie er das macht, was dahintersteckt. Es wurde spannend.

Ein Ausflug nach Hollywood

Ich screente alle Columbo-Folgen nach charakteristischen Verhaltensmustern, feilte an den Formulierungen und suchte nach einer sinnvollen Sortierung. Raus kamen Columbos Regeln, 7×3 Beschreibungen von Mikro-Verhaltensmustern, gut nachvollziehbar und direkt umsetzbar, die meisten mit relativ wenig Übung. [Die 7 Grundmuster findest Du auf Columbos-Regeln.de.]

Was ich da wirklich gefunden hatte, wurde mir erst in längeren Gesprächen mit Bill Link klar, einem der beiden Erfinder von Columbo, als er mir verriet, wer Columbo eigentlich ist. Erlaubt mir einen kleinen Ausflug nach L.A.

Ursprünglich für ein Theaterstück suchten Bill Link und sein Kollege Richard Levinson einen passenden Charakter für ihren Hauptdarsteller, den Inspektor. Und sie beschlossen, schamlos zu klauen. Sie erinnerten sich an einen interessanten Typen namens Porfirij Petrowitsch, den Untersuchungsrichter aus Dostojewskis ‘Schuld und Sühne’. Das war so ein Typ intellektueller Fallensteller, clever, ausgebufft, fragend, abwartend, beobachtend. Der gefiel ihnen, er war nicht so dominant unterwegs wie der Standard-Cop in den klassischen US-Serien. So sollte ihr Inspektor auch sein, gewaltfrei. 

Aber eine Eigenschaft störte sie noch, er war ein Jäger. Porfirij Petrowisch bekam Adrenalinschübe, wenn er der Verhaftung des Täters näher kam, er konnte es kaum noch abwarten, zuzugreifen. Selbst diese letzte Regung kurz vor Schluss war den beiden Autoren schon zu aggressiv. Also suchten sie weiter und wurden fündig bei Chesterton und seinem Pater Brown. Ein Priester, dessen Weg mit Kriminalfällen gepflastert ist. Dabei ergeben sich aus dem Konstrukt des Paters drei interessante Besonderheiten. 

  • Für Pater Braun gibt es nur einen Richter auf der Welt, und der weilt nicht unter den Irdischen. Also ist es nicht an Pater Braun, selbst über das Verhalten des Täters zu richten, es steht ihm nicht zu. Er ist nicht empört oder erschüttert. 
  • Weiter hat er in seiner langen Dienstzeit vermutlich schon in alle Abgründe der menschlichen Seele geblickt und weiß, dass es Situationen gibt, in denen Menschen selbst zu Mord fähig sind. Er ist nicht verwundert oder entrüstet über so ein Verhalten. Er kennt es.
  • Und schließlich weiß er, dass all diese verirrten Seelen nicht auf der Erde wären, wenn es der Herr nicht so gewollt hätte. Es sind alles nur Prüfungen, denen er sich stellt.

Das alles gibt ihm Gelassenheit. Seine Aufgabe besteht darin, das schwarze Schaf zu finden, das gegen die Gebote des Zusammenlebens verstoßen hat und es in einem läuternden Gespräch wieder auf den rechten Weg zurückzuführen. Damit ist seine Arbeit getan.

Columbos Geheimnis

Und Columbo? Den haben sich die Autoren zusammengeklont. Columbo ist der Kopf von Porfirij Petrowitsch und der Bauch von Pater Braun. Ein clever und unbeirrbarer Fragensteller, der immer seine Antworten findet, der dabei nicht verurteilt und manchmal sogar Verständnis für die Verhaltensweise seiner Gesprächspartner zeigt. Jemand, der nur herausbekommen will, wie etwas wirklich gewesen ist und nichts dagegen hat, wenn man ihn dabei unterschätzt.

Eine sehr interessante Grundhaltung. Deswegen ist Columbo so entspannt. Nein, tatsächlich ist er fokussiert. Der Rest seiner Persönlichkeit ist Hollywood, der einprägsame Charakter für das Publikum.

Und irgendwann hatte ich begriffen, dass es für meine Trainees zwei Wege gibt, ihr Gesprächsverhalten zu verändern, über die Regeln oder über das dahinterliegende Mindset.

Entweder, sie wenden die 21 Regeln ‚by the book‘ an, weil sie deren Wirkung überzeugt. Sie kommen zu besseren Gesprächsergebnissen, egal wie sie innerlich drauf sind. Je länger sie das machen, umso größer ist die Chance, dass sie auch deren Wesen verinnerlichen, weil sie die entspannende Wirkung auf sich selbst und die anderen nicht mehr missen möchten. Das ist aber nicht wichtig, solange sie Gespräche führen, mit denen beide Seiten gut leben können.

Oder sie finden die neue Grundhaltung so interessant und wertvoll, dass sie die verinnerlichen und automatisch mit Beziehungsangeboten a’la Columbo rauskommen, die Fragetechniken werden mit der Zeit immer besser.

Heute würde man sagen, dass sich die Autoren mit Columbo ein Mindset gebastelt hatten und ihn damit auf die Straßen von Los Angeles schickten. Der Rest ergab sich.

Ich hatte ein Mindset im vorigen Teil beschrieben als eine Voreinstellung für bestimmte Entscheidungen. In Konfliktgesprächen geht es vor allem anderen um die Entscheidung, aus welcher Perspektive, mit welcher Brille ich meinen Gegenüber betrachte. Will ich Richter sein oder Ermittler? Geht es um Schuld und Sühne oder um Prozesse und Lösungen? Columbo ist immer letzteres. Und das macht Columbos Mindset und die dazugehörigen Verhaltensmuster so leicht übertragbar auf die schwierigen Gespräche in unserem Alltag. Habe ich die veränderte Perspektive als oberste Entscheidungsprämisse verinnerlicht, ergibt sich der Rest fast von selbst.

Der Masterplan für Verhaltensänderungen?

Beenden wir den Exkurs in die Filmwelt und kommen zu unserer Realität zurück. Fassen wir noch einmal zusammen: Es gibt zwei Wege für eine Verhaltensänderung:

  1. Die Anwendung neuer formeller Regeln führt zu neuen Gesprächs- und Verhaltensmustern. Vielleicht ändert sich dabei im Laufe der Zeit auch die Einstellung. Das ist aber nicht zwangsläufig.
  2. Eine deutliche Veränderung der Einstellung unterstützt das Ausprobieren neuer Gesprächs- und Verhaltensmuster. Die Umsetzung folgt eher ‘Versuch und Irrtum’ und wird mit jeder Anwendung besser.

Aber wie muss das eine formuliert sein und was ist für das andere die Voraussetzung, wenn wir von der Alten Welt in die Neue Welt reisen wollen? Wie kommen wir damit zu unserem ‘Agilen Mindset’?

 

To be continued next monday – stay tuned for more & feed back and forward!

Mr. Columbo@ConradGiller

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